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Grenzenlos lebenswert

OB Dupper gratuliert Ehrenbürger Fritz Gerstl zum 90. Geburtstag

17.05.2013 - Herausragende Persönlichkeit des politischen Lebens

13-05-16 Geburtstag Fritz Gerstl

Der Passauer Ehrenbürger Fritz Gerstl konnte dieser Tage seinen 90. Geburtstag feiern. Im Rahmen einer kleinen Feierstunde gratulierte Oberbürgermeister Jürgen Dupper dem Jubilar.
13-05-16 Geburtstag Fritz Gerstl
Ehrenbürger Fritz Gerstl mit seinen Geburtstagsgratulanten

Oberbürgermeister Jürgen Dupper: „Fritz Gerstl hat bedeutende Spuren hinterlassen. Er hat nie mit seiner Meinung hinter dem Berg gehalten und ist immer zu seiner Sache gestanden. Geprägt war sein Politikstil insbesondere von den harten Kriegs- und den darauffolgenden entbehrungsreichen Aufbaujahren. Aus diesen Lebenserfahrungen hat er seine ganz persönliche Lehre gezogen und sich mit aller Kraft für den Aufbau der Demokratie und für soziale Gerechtigkeit eingesetzt. Gerade auch für die Region Passau hat er viel Positives bewirkt – dafür gilt ihm auch heute noch unser Dank.“

Fritz Gerstl gehörte viele Jahre lang zu den herausragendsten Persönlichkeiten des politischen Lebens von Passau. Geboren 1923 in Außernzell beschritt Fritz Gerstl als Sohn eines Eisenbahners seine berufliche Laufbahn bei der Bahn. Bereits hier waren ihm die Belange seiner Eisenbahnerkollegen ein persönliches Anliegen, er engagierte sich in der Gewerkschaftsarbeit und wurde 1960 zum Geschäftsführer und zum Vorsitzenden in der Ortsverwaltung Passau ernannt.

Der Sprung vom engagierten Gewerkschaftler hin zum Politiker war vorgezeichnet. Mehr als 30 Jahre stellte er seine Kraft in den verschiedensten Ämtern in den Dienst der SPD. Der nun seit Anfang der 50-er Jahre in der damaligen Marktgemeinde lebende Fritz Gerstl wurde 1952 bereits in den dortigen Gemeinderat gewählt. Drei Jahre später übertrug ihm die Halser Bevölkerung das Amt des ehrenamtlichen 1. Bürgermeisters, welches er bis 1964 ausübte. Im
Alter von 32 Jahren war er damit der jüngste Bürgermeister im Landkreis Passau. In seiner Amtszeit als Halser Bürgermeister setzte er seine Schwerpunkte auf die Milderung der Wohnungsnot, den Neubau einer Schule, sowie die Sanierung der Wasserversorgung in Hals und trug maßgeblich zur Erstellung einer zentralen Wasserversorgung für die Ortschaft Ries, sowie zur Förderung des Fremdenverkehrs bei.

Gleichzeitig zog er als Kreisrat in den Kreistag ein, wo er schon nach zwei Jahren als Vorsitzender der SPD-Kreistagsfraktion eingesetzt wurde. Nach seiner Kandidatur zum Bürgermeister folgte 1964 die zum Landrat. Auch diese Herausforderung meisterte er mit dem Wahlerfolg zum Landrat. In der nun folgenden 6-jährigen Amtszeit als Landrat konnte er durch sein unermüdliches Engagement zahlreiche Erfolge für den Landkreis und seine Bürger verbuchen:

Der von ihm vorangetriebene soziale Wohnungsbau entschärfte die Wohnungsproblematik und dank des von ihm durchgesetzten Landkreisdarlehens wurde vielen Familien der Bau eines Eigenheimes ermöglicht.

Passau verdankte ihm aber auch im Bereich der Industrieansiedlung den Sitz der Firma Roederstein in Grubweg, der Firma Siemens in Heining und der Firma Schreibmayr in Rittsteig. Mit zur wirtschaftlichen Entwicklung gehörte auch die Verbesserung der Infrastruktur im Verkehrsbereich, der er durch den intensiven Ausbau des Kreisstraßennetzes Rechnung trug.

Obwohl es nicht mehr in sein Aufgabenfeld als Landrat fiel, unterstützte er auch engagiert den gemeindlichen Straßenbau. Neben dem Bau und der Förderung von Grund- und weiterführenden Schulen initiierte er in Zusammenarbeit mit der Stadt Passau und dem Caritasverband eine Schule für geistig und körperlich Behinderte in Grubweg – die heutige St.-Severins-Schule – und setzte sich für die Einrichtung der Schwesternschule beim Krankenhaus Passau ein.

Das Jahr der Gebietsreform 1972 hatte für die Stadt Passau zur Folge, dass die durch Fritz Gerstl erfolgreichen Maßnahmen nun der Stadt Passau zugute kamen. Für Fritz Gerstl bedeutete die kommunale Neugliederung, dass er zum Stadtrat von Passau kandidierte, auf Anhieb erfolgreich war und zugleich zum Vorsitzenden der SPD-Stadtratfraktion bestellt wurde.

Bereits nach zwei Jahren seiner Stadtratstätigkeiten schied er freiwillig aus, um sich voll und ganz seinem Bundestagsmandat zu widmen, welches er über die Landesliste der SPD von 1972 bis 1987 inne hatte. Als Abgeordneter des Bundestages setzte Fritz Gerstl seinen Schwerpunkt im Bereich der Sicherheitspolitik. Er war unter anderem Mitglied des Verteidigungsausschusses und des Landwirtschaftsausschusses der Parlamentarischen Versammlung des Europarats. Er engagierte sich viele Jahre als stellvertretender Vorsitzender der SPD-Arbeitsgruppe für Verteidigungsangelegenheiten und Fragen der auswärtigen Politik und Sicherheit. Besonders die damals in Passau angesiedelten Bundeswehrsoldaten kamen in den Genuss seines Einsatzes.

Für die Standortverwaltung wurde ein neues Verwaltungsgebäude inklusive Kleiderkammer gebaut mit einem neuen System verbesserter Arbeitsräume. In Insiderkreisen sprach man sogar vom „Modell Gerstl“ und von der Zeitschrift „Wehrtechnik“ wurde er schließlich 1980 zum
Mann des Jahres ernannt.

Das Wichtigste für Passau war jedoch, dass er all die Jahre als Abgeordneter in Bonn seine Heimatstadt Passau nie aus den Augen verlor, immer Kontakt hielt und mit einer Selbstverständlichkeit stets die örtlichen Interessen vor höheren Gremien überzeugend vertrat. Durch seinen hartnäckigen Einsatz hat er Finanzierungen aus dem Zonenrandprogramm des Bundes erreicht, in deren Genuss vorwiegend Passauer Sportvereine, kulturelle Einrichtungen wie das Oberhausmuseum, Musikkapellen und Gesangsgruppen, besonders auch die Festspiele Europäische Wochen, sowie vor allem die katholische Kirche mit ihrem hohen Anteil an Kulturgütern kamen.

Unvergessen bleibt auch sein Einsatz zum vorgezogenen Bau der Autobahn-Donaubrücke. Er erreichte damit einen früheren Anschluss zum Autobahnnetz und durch die entsprechende Verlegung der geplanten Trasse im Stadtgebiet die Baufreigabe für wertvolle Grundstücke. Eine für Passau sehr entscheidende Initiative zeigte er im Bezug auf die Universität. Er sprach sich für Passau als neue Universitätsstadt aus und startete zur Bekräftigung seines Antrags eine Unterschriftenaktion in der Bevölkerung. Dies war für Passau eine seiner herausragendsten Verdienste – wäre doch heute Passau ohne die Universität mit ihren Studenten und dem daraus resultierenden studentischen Leben gar nicht mehr vorstellbar.

Auch wenn seine Zeit als Bundestagsabgeordneter 1987 abgelaufen war, zog sich Fritz Gerstl nicht aus dem politischen Leben zurück. Passau hatte das Glück, dass er sich 1984 zur damaligen Kommunalwahl als Stadtrat zur Verfügung stellte und Passau aus seinem reichen Erfahrungsschatz profitieren konnte. In zahlreichen Ausschüssen, im Verwaltungsrat der Sparkasse, sowie bei der Kreiswohnungsbau GmbH, brachte er nun sein wertvolles Wissen ein.

Als er sich 1992 aus Altersgründen entschloss, nicht mehr bei den Stadtratswahlen zu kandidieren, war Fritz Gerstl bereits Träger viele herausragender und großer Ehrungen und Auszeichnungen. Mit über 40 verschiedenster Ehrungen wurden seine großen Leistungen gewürdigt. Von der Staatsregierung erhielt er unter anderem 1983 der Bayerische Verdienstorden, 1985 das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse, 1988 die Medaille für besondere Verdienste um die kommunale Selbstverwaltung in Silber, 1989 die Georg-von-Volmar-Medaille der Bayerischen SPD und 1992 den Ehrenbrief der Bundes-SPD. Die Stadt Passau würdigt seine Leistungen 1986 mit der Bürgermedaille, 1987 mit dem Ehrenring und schließlich 1993 mit der Ehrenbürgerwürde der Stadt Passau. Sein soziales Engagement in vielen Bereichen wurde u.a. mit hohen Auszeichnungen des BRK, des Deutschen Soldaten- und Kriegerbundes in Bayern und des Deutschen Feuerwehrverbandes ausgezeichnet. Er erhielt die Ehrenurkunde für Verdienste um die Europäischen Wochen und ist Ehrenbürger unserer italienischen Partnerstadt Scurcola Marsicana.

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